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Jägermeister-Abfüller im Ex-Industriebezirk

Die Franz Bauer Destillerie im Bezirk Gries arbeitet seit fast 50 Jahren mit dem Global Player Jägermeister bei der Getränkeherstellung zusammen. Bauer füllt Millionen der kleinen und großen grünen Jägermeister-Flaschen ab und brennt mit 90 Mitarbeitern eine ganze Palette an eigenen Spirituosen.

Große Betriebe sind im ehemaligen Grazer Industriebezirk Gries eine Seltenheit geworden: Die Destillerie Bauer ist im Gegensatz zu anderen geblieben und baut seit Jahren aus. Mitte der 1990er-Jahre wurde gegenüber dem Standort Prankergasse das Gebäude einer in den Bezirk Graz-Umgebung abgesiedelte Fleischfabrikation erworben. Um die beiden Gebäude technisch miteinander zu verbinden, wurden über der Gasse in luftiger Höhe gut geschützt Leitungen verlegt: Strom-, EDV- und Schnapsleitung. Die Übernahme der Firma Bauer durch die Familie Schlichte in den 1960ern ging einher mit einer Verbreiterung der Geschäftsbasis: Die Franz Bauer GmbH wollte Distributor von nationalen und internationalen Spirituosen sein, die Mast Jägermeister SE war auf dem Sprung ins Ausland und suchte Lizenzpartner.

Ansatz- bis Zirbenschnaps
Der Kräuterlikör Jägermeister stammt ursprünglich aus dem deutschen Wolfenbüttel. Seit 75 Jahren wird Jägermeister nach einer unveränderten Rezeptur aus 56 unterschiedlichen Kräutern, Blüten, Wurzeln und Früchten erzeugt, so Jörg Staege, Westeuropa-Area Manager von Jägermeister, am Mittwoch in Graz bei einer Werksführung. In Österreich wird Jägermeister seit 1967 auf Lizenzbasis durch die Destillerie Franz Bauer hergestellt. Der Grundstoff - die sogenannte Mazeration, also das Einlegen der Mischung in ein Alkohol-Wasser-Gemisch - wird nach einjähriger Lagerung in Eichenfässern in Wolfenbüttel nach Graz gebracht und hier mit Alkohol, flüssigem karamellisierten Zucker und Wasser zum Endprodukt gemischt und abgefüllt.
 
Die Bauer-Eigenproduktion umfasst "alles von A bis Z - von Ansatz- bis Zirbenschnaps", so Geschäftsführer Oliver Dombrowski zur APA. Jährlich werden rund 1,5 Mio. Kilogramm Früchte im Haus eingemaischt und zu geistigen Getränken veredelt. Ferner ist man Vertriebspartner für z. B. Puschkin-Wodka oder Tobermory Single Malt.
 
Mit der Herstellung von Jägermeister und den anderen Bränden und Likören beschäftigen sich in Graz rund 90 Mitarbeiter, im Wirtschaftsjahr 2013/2014 (April bis März) machte man mit allen Produkten inklusive der Jägermeister-Abfüllung rund 28 Mio. Euro Umsatz, bei einem Gesamtausstoß von rund drei Mio. 0,7-Liter-Flaschen. Damit erzielte man laut Dombrowski ein leichtes Wachstum gegenüber dem vorgehenden Vergleichszeitraum. Erweitert wird seit Jahren: Inklusive der Destillery Tour, einer Erlebniswelt des Spirituosenrennens und neuen Abfüllanlagen kam man in den vergangenen beiden Jahren auf gut eine Mio. Euro an Investitionen, so Dombrowski.
 
Stölzle produziert zwei Monate für Bauer
Einiges an Wertschöpfung der Brennerei und Abfüllung bleibt in der Steiermark: Bei Stölzle-Oberglas im weststeirischen Köflach wird fast zwei Monate lang ausschließlich für Bauer und Jägermeister produziert, wenn die grünen 0,02 Liter-Kleinstflaschen hergestellt werden. Rund 31 Mio. kleine Fläschchen jährlich gehen an Einzelhandel und Gastronomie. Gesamt rinnen in Österreich pro Jahr rund eine Mio. Liter Kräuterlikör "Made in Graz" durch die Kehlen.
 
Die Mast-Jägermeister SE hat 2013 weltweit 64,5 Mio. Liter (92,2 Mio. Flaschen zu 0,7 Liter) in rund 100 Ländern weltweit verkauft. 2011 waren es 61,4 Mio. Liter (87,1 Mio. Flaschen zu je 0,7 Liter), um 2,9 Prozent mehr als 2010 (84,6 Mio. Flaschen).

Quelle: kleinezeitung.at (17.9.14)