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Holunder: Vom richtigen Zeitpunkt

Pilzbefall kann zu Ernteeinbußen bei Holunderpflanzen führen. Grazer Mikrobiologen erforschen optimale Schutzmaßnahmen.

Er ist nach dem Apfel die zweitwichtigste Obstkultur der Steiermark. In 550 Betrieben werden pro Jahr rund 10.000 Tonnen Blüten geerntet. Die landesweit knapp über 1200 Hektar Anbaufläche sind sogar Europaspitze. Trotzdem gehört der Holunder noch immer zu den unterschätzten Größen der heimischen Landwirtschaft. Auch, weil er selten als Solist (in Limonaden, als Sirup), sondern zu 70 bis 80 Prozent in einem Zutatenorchester auftritt - da aber sehr verbreitet, wie beispielsweise als Geschmacksstoff im Radler oder als rubinroter Farbstoff in Gummibären, Speiseeis, Puddings, Keksen oder Soßen. Aber auch als Kosmetikmittel oder in der Pharmazie hat die bei uns verbreitete Art Sambucus nigra - der Schwarze Holunder - zuletzt Fuß gefasst.

Mit steigender wirtschaftlicher Bedeutung wachsen aber auch die negativen Folgen bei Ernteausfällen beispielsweise durch Pilzerkrankungen. Diesen widmen sich Forscher am Institut für Pflanzenwissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz. Seit 2012 ist Hildrun Walter im Rahmen ihres Dissertationsprojekts mit dem Thema befasst. "Wir wollen mittels molekularbiologischen Techniken ein Diagnoseverfahren entwickeln, das Schadpilze nachweisen kann, noch bevor sie für das menschliche Auge sichtbar sind", erklärt die Wissenschaftlerin. Denn die längste Zeit bleiben die Krankheitssymptome durch die generell dichten Pilzvorkommen in den Holunderpflanzen nämlich unentdeckt.
 
Erst kurz vor der Reife und Ernte im August treten sie nach außen, wodurch Sporen frei und dadurch auch andere Bäume angesteckt werden können. Dann ist es für Gegenmaßnahmen allerdings schon zu spät.

37 Pilzgattungen
Bei drei von 37 Pilzgattungen, die am Holunder identifiziert wurden, kann der Befall zu spürbaren Folgen führen: Zwei Pilzgattungen lassen die Rispen abwelken. Die Beeren vertrocknen und fallen ab. Bei einer Gattung setzt wiederum eine Fäule ein. Die Beeren verschimmeln dadurch direkt auf der Pflanze.

In der Steiermark gab es 2003 erstmals größere Ernteausfälle wegen Pilzerkrankungen. Die Einbußen betrugen damals durchschnittlich 30 Prozent, bei manchen Bauern gab es aber auch Totalausfälle.

Der Kampf gegen die Pilzsporen wird derzeit noch undifferenziert geführt. Mehrmals pro Jahr werden die Holunderbäume prophylaktisch mit Fungiziden bearbeitet. "Weil man den perfekten Zeitpunkt nicht kennt", sagt Walter: "Noch nicht", fügt sie hinzu. Denn auf Basis ihrer Arbeiten kristallisiert sich derzeit der Juni als sinnvollstes Zeitfenster für den Einsatz der Pflanzenschutzmittel heraus.

Starkregen als Pilzdoping
1275 Einzelteile von Blüten, Blättern und Beeren hat Walter im Rahmen ihrer Forschungsarbeit untersucht. Dazu kommen Pflanzen, die in der Umgebung der Holunderbäume wachsen, um genetische Verwandtschaften von Pilzen ausfindig zu machen. Die Wissenschaftlerin wertet zusätzlich Wetterdaten in den fünf untersuchten Obstanlagen aus. "So sehen wir, unter welchen Bedingungen die Pilze aktiv sind", sagt Walter. Längere Blattfeuchte und milde Temperaturen begünstigen die Ausbreitung der Krankheiten. Manche Pilze bevorzugen sogar Starkregen. Eine weitere Gefahrenquelle für den Holunder liegt im anderen Extrem: Durch die lange Trockenperiode gab es laut Obstbau-Bundesobmann Anton Gangl im Sommer 2013 Ernteausfälle von einem Drittel zu beklagen.

Quelle: kleinezeitung.at (23.4.14)